Rehacare 2018 in Düsseldorf

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In diesem Jahr habe ich erstmals nach langer Zeit, dank meines Rollstuhls, wieder Messen besucht, wie z.B. die Photokino in Köln und erstmals auch die Rehacare in Düsseldorf, die große Hilfsmittelmesse, auf der alles gezeigt wird was für Menschen mit Behinderung gebraucht wird.

Ich muss sagen, dass ich von der Rehacare tief beeindruckt bin. Da es für die unterschiedlichen Behinderungen auch unterschiedlicher Versorgung bedarf, ist der Hilfsmittelmarkt natürlich sehr breit aufgestellt. Für mich war es jetzt wichtig mich beraten zu lassen und Produkte kennenzulernen, die mir das Leben mit meiner Gehbehinderung erleichtern können, und so konnte ich gezielt Aussteller ansteuern, von denen ich annehmen konnte, dass sie mir genau die Produkte anbieten können, die zu mir passen und mir das Leben erleichtern. Zum Glück kann man heutzutage vor Ort mit dem Smartphone auf der Internetseite der jeweiligen Messe die Firmen ausfindig machen, und weiß immer genau wo man in welcher Halle den gesuchten Aussteller findet.

Da dieser Artikel ein ganz persönlicher Bericht ist, nenne ich hier auch die Firmen, mit denen ich gesprochen habe, was nicht heißt, dass andere Unternehmen die ähnliche Produkte anbieten, weniger gute Leistungen bieten. Hierbei ging es mir in erster Linie um die Themen Mobilitätshilfen, Inkontinenzprodukte und barrierefreie Reiseziele, wobei dieses Mal die Mobilitätshilfen für mich im Vordergrund standen.

  1. Thema Greifreifen: An meinem Rollstuhl befinden sich zur Zeit noch Greifreifen aus einem einfach rundem Aluminiumrohr, die sehen zwar chic aus, sind aber wenn man wie ich trockene Haut hat nur schwer zu bedienen. Sehr oft muss ich meine Hände eincremen, damit ich überhaupt einen einigermaßen kräftigen Vortrieb entwickeln kann. Für dieses Problem gibt es ergonomisch geformte Greifreifen die auch noch auf der Oberseite eine Gummierung haben. Ein solches Produkt namens Gekko biete die Firma Carbolife an. Eine kurze Probefahrt damit war sehr überzeugend.
  2. Thema Handbike: Das ist ein für mich äußerst interessantes Thema, denn mit einem guten Hand-E-Bike bzw. Hybrid-Handbike könnte ich mir mein ehemaliges Refugium „Wandern und Fotografieren“ wieder zurückerobern, wenn auch sicher mit ein paar Einschränkungen, aber die sind weit weniger schlimm als ein Totalverzicht. Da für mich die Firma Stricker als Hersteller von Handbikes bereits erste Wahl ist, habe ich deren Stand angesteuert um ein Hybrid-Handbike vom Typ Neodrive einmal aus der Nähe in Augenschein zu nehmen. Sofort wurde mir eine Probefahrt angeboten, und im Nullkommanix war das Handbike an meinem Rolli befestigt und ich konnte kurz im Außenbereich eine Runde damit drehen. Einfach toll, wie ergonomisch alles gestaltet war, alle Bedienelemente waren dort wo sie hingehören, und dann die Motorunterstützung in Kombination mit der 24-Gänge Kettenschaltung… – Es war einfach beeindruckend, wie leicht und kraftvoll sich das Gespann bewegen ließ. Nun wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass mein Exemplar eben dieses Typs bereits vom Kostenträger bewilligt wurde. So war diese Probefahrt für mich im Nachhinein das Highlight des Tages. Ich weiß jetzt genau, worauf ich mich freuen kann.
  3. Thema Autofahren: Noch kann ich mein Automatikfahrzeug mit dem rechten Fuß sicher bedienen, allerdings bin ich auf längeren Strecken auf den Tempomat angewiesen, da ich den Fuß nicht mehr stundenlang am Gas halten kann. Da ist es an der Zeit nach einer Alternative Ausschau zu halten. So habe ich mich an die Fa. Zawatzky aus Heidelberg gewandt, ein Unternehmen das individuelle Fahrzeugumrüstungen durchführt. Für mich ist eine Handbedieneinrichtung mit einem Hebel rechts von mir, der zum Gas geben nach hinten unten gedrückt wird und zum Bremsen nach vorne geschoben, das Mittel der Wahl. Bei einer kleinen Probefahrt mit einem entsprechend ausgerüsteten Fahrschulwagen konnte ich in Begleitung eines Fahrlehrers auf dem Freigelände ein paar kleine Runden drehen. Das ließ sich erstaunlich leicht und ohne große Kräfte bedienen, erfordert aber eine gewisse Umgewöhnung, um das Auto dann auch gefühlvoll fahren zu können. Aber Übung braucht jeder, um ein Fahrzeug sicher zu beherrschen. Ich bin mal auf das Angebot zur Umrüstung meines Autos gespannt.
  4. Thema Aktiv-Elektroantrieb: Wer selbst Rollstuhlfahrer ist, kennt das. Jeder Bürgersteig, egal in welcher Stadt oder Gemeinde, ist zur Straße hin geneigt. Das hat praktische Gründe, aber für jeden Fahrer eines manuellen Rollstuhls ist es eine kräftezehrende Schinderei darauf geradeaus zu fahren. Kommt dann noch eine kleine Steigung dazu, wird es ganz arg. Da hilft letztendlich nur elektromotorische Unterstützung, und die gibt es in unterschiedlichen Formen. Ich habe mich für eine Lösung entschieden, bei der Motor und Akku jeweils in der Radnabe eingebaut sind, und die beim Antreiben per Hand ein zusätzliches Drehmoment bereit stellen, so dass dort wo die eigenen Kräfte an ihre Grenze kommen, immer noch ein komfortables Vorwärtskommen möglich ist. Eine solche Lösung bietet die Firma Alber mit dem Aktiv-Elektroantrieb Twion an. Es gibt allerdings mit dem E-motion (aus dem selben Hause) ein noch leistungsfähigeres System, das allerdings weniger für den ambitionierten Aktivfahrer gedacht ist. Die neueste Version des E-motion konnte ich einmal ausprobieren, während ich den Twion erst kürzlich bei einem Sightseeing in der Altstadt von Heidelberg ausprobieren konnte. Es gab nach einer kurzen Probefahrt und einem Beratungsgespräch keinen Grund mehr meine Entscheidung für den Twion zu revidieren.

Der Tag auf der Messe war für mich ein beeindruckendes Erlebnis. Vieles konnte ich direkt in Augenschein nehmen und bei einem kleinen Problem mit meinem Sopur-Rollstuhl wurde mir auf dem Stand von Sunrise Medical geholfen. Dort gab es eine Service-Ecke wo Mechaniker bereit standen kleinere Rollstuhl-Probleme zu lösen. Ein toller Service. Der Weg nach Düsseldorf hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Linkempfehlungen:
Fa. Carbolife
Produkt – Greifreifen Gekko

Fa. Stricker Handbikes
Produkt – Hybrid Handbikes Neodrive

Fa. Zawatzky
Produkt – Handbediengerät Heidelberg RS

Fa. Alber
Produkt – Aktiv E-Antrieb Twion

Mit Rücksicht auf meine Mitmenschen mit Behinderung, die aus guten Gründen besonders zahlreich auf der Messe unterwegs waren, habe ich auf das Fotografieren weitgehendst verzichtet. Deshalb müssen die zwei mit dem Smartphone geschossenen Bilder dieses Mal genügen.

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