Per Handbike durch den Schlosspark

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Im Schlosspark Schwetzingen – Bild Nr. 201806020565

Schwetzingen – Dem Schlossgarten von Schloss Schwetzingen hatte ich in den letzten knapp 40 Jahren bereits häufig einen Besuch abgestattet, zuletzt von vier Jahren. Diese phantasievoll angelegte und abwechslungsreiche Anlage lädt zum Entspannen und Genießen ein. Hier kann man sich stundenlang aufhalten ohne dass es einem langweilig wird, auch wenn man den Park bereits gut kennt.

Schlosspark Schwetzingen – Blick über den Weiher – Bild Nr. 201806020566

Hier und heute möchte ich nicht auf die Geschichte des Schlossgartens und seine Sehenswürdigkeiten eingehen, sondern einfach mal berichten, wie ich meinen erster Besuch im Rollstuhl erlebt habe. Für unseren Familienausflug haben wir uns den Samstag ausgesucht, was schon mal eine gute Wahl war, denn sonntags ist hier deutlich mehr los. Wir waren zeitig hier in Schwetzingen angekommen und fanden auf dem großen Parkplatz in der Wildemannstraße noch viel Platz zum Parken vor.

Orangerie – Bild Nr. 201806020553

Mir war von meinen früheren Besuchen, noch als Fußgänger, bekannt dass die Wege an der Oberfläche aus losem Kies bestehen. Da ist klar, dass hier ein Rollstuhl mit kleinen Lenkrädern nicht das Mittel der Wahl ist, sich diesen Park im Sitzen zu erobern. Ideal ist auf jeden Fall ein Vorspann wie ein Handbike, Zuggerät oder mindestens ein Freewheel. Ich hatte hier natürlich mein Handbike dabei, und kam damit ohne unlösbare Probleme so gut wie überall hin. Bereits die Anfahrt vom Parkplatz zu Schloss, die komplett barrierefrei ist, war schon mal ein guter Anfang, aber im Eingangsbereich des Schlossgartens war ich dann angesichts des Kopfsteinpflasters doch froh, auf drei ausreichend großen Rädern unterwegs gewesen zu sein. Einmal im Schlossgarten angekommen präsentierten sich die Wege deutlich angenehmer zu fahren.

Wasserlauf mit Brücke – Bild Nr. 201806020555

Dass die Wege in dem nahezu ebenen Garten dann hier und da auch ihre Tücken haben, überraschte mich nicht. Gelegentlich geht es doch mal kurz bergauf oder bergab. An Steigungen machte sich dabei eine Schwäche meines Handbikes, das am Aktivrollstuhl montiert ist, immer wieder bemerkbar: Auf dem Kies hat das Vorderrad zu wenig Traktion. Dadurch dass der Schwerpunkt direkt auf der Achse des Rollstuhls liegt, reicht vorne das Gewicht nicht aus, um in jeder Steigung voran zu kommen. Somit war des öfteren ein beherzter Griff zu den Greifreifen notwendig, um die Steigung zu bewältigen. Das sollte für einen geübten Aktivrollstuhlfahrer aber kein Problem darstellen. Ich hätte natürlich auch Anschiebehilfe von meine Frau in Anspruch nehmen können, was sich aber als nicht unbedingt notwendig erwies.

Aquädukt – Bild Nr. 201806020560
Wasserlauf in der Nähe des Aquäduktes – Bild Nr. 201806020563
Merkurtempel – Bild Nr. 201806020574
Die Moschee – Bild Nr. 201806020575
Im Moscheegarten – Bild Nr. 201806020597
Blick aus dem Wandelgang auf die Moschee – Bild Nr. 201806020591

Die einzige wirkliche Barriere, die meine Fahrt zunächst stoppte, war der Zugang zum Moscheegarten direkt an der Moschee. Hier machten Stufen die  Zufahrt unmöglich. Allerdings gibt es hier auch einen stufenfreien Zugang von der Rückseite. Somit gibt es an der Beschaffenheit des Schlossgartens und der Erreichbarkeit seiner Sehenswürdigkeiten aus meiner Sicht nichts zu bemängeln.

Zu erwähnen sind noch zwei Dinge: Der Eintrittspreis für Besucher mit Behindertenausweis beträgt nur die Hälfte des regulären Preises von 6,00 €, und es gibt eine Behindertentoilette in der Nähe des Eingangsbereiches, die mit dem Euroschüssel des CBF Darmstadt geöffnet werden kann.

Im Moscheegarten – Bild Nr. 201806020600

Zusammengefasst halte ich den Park für eingeschränkt barrierefrei. Mit dem Rollstuhl ohne Zuggerät sollte man schon eine weitere Person als Helfer dabei haben. Auch sollte die Lenkräder nicht kleiner als 5 Zoll sein. Das gilt auch, oder vor allem, bei Benutzung eine Restkraftverstärkers (E-Motion, Twion o.ä.). Auch damit sollte man den Schlossgarten nicht ohne Hilfe befahren. Mit Vorspann (Handbike, Zuggerät oder Freewheel) geht es am besten. Diejenigen, für die die weiter oben genannten Einschränkungen kein Problem darstellen, können mit dem Vorspann alles ohne fremde Hilfe bewältigen.

Für mich war es wieder ein entspannender Ausflug in diesem wunderbaren Park, den ich einfach nur genossen habe. Hierher komme ich auch zukünftig gerne wieder und gebe das überzeugt als Empfehlung weiter.

Der Minerva-Tempel – Bild Nr. 201806020601
Blick vom Minerva-Tempel zum Arion-Brunnen – Bild Nr. 201806020603
Der Arion-Brunnen – Bild Nr. 201806020549
Rokoko-Säle und Schloss – Bild Nr. 201806020606

Blogartikel vom Juni 2014 zum Schlossgarten Schwetzingen:
http://georg-dahlhoff.de/wp/?p=22126
http://georg-dahlhoff.de/wp/?p=22139

Homepage des Schlosses und Schlossgartens Schwetzingen:
http://www.schloss-schwetzingen.de

Erstmals sind in diesem Artikel die Bilder im Format 2100 x 1400 Pixel (ca. 3 MegaPixel) hinterlegt.

4 Kommentare

  1. ach Georg..
    das tut mir aber Leid dass es dich jetzt in den Rollstuhl „verschlagen“ hat
    aber schön dass du trotzdem mobil unterwegs bist

    der Schwetzinger Schloßpark ist mir noch in lebhafter Erinnerung
    damals war ich mit meinen Eltern auch per Fahrrad unterwegs
    besonders beeindruckt hatte mich damals in dem Schlößchen ein Bad mit goldenen Wasserhähnen;)
    so viele Jahre ist das schon her

    danke für die schönen Bilder

    liebe Grüße
    Rosi

    1. Weißt Du, Rosi, der Rollstuhl ist ja nicht das schlimmste, es sind vielmehr die Jahre davor, in denen jeder Gang zu Fuß eine Qual war, als mich unebene Wege vor kaum lösbare Probleme gestellt hatten und die Gefahr zu stürzen immer gegenwärtig war. Der Rollstuhl, den ich nun seit einem dreiviertel Jahr benutze, hat meine Lebensqualität und meine Mobilität erheblich verbessert. Da ich aber kurze Wege immer noch gehen und auch mit meinem Pedelec fahren kann, wofür ich von Herzen dankbar bin, gibt es für mich keinen Grund zur Klage.

      Auch wenn Rollstuhlfahren viel Kraft kostet, war dieser Besuch im Schlossgarten für mich endlich mal wieder richtig entspannend. So konnte ich dort unbeschwert mit meiner Familie zusammen den Tag genießen, und ganz nebenbei noch ein paar Fotos machen.

      LG, Georg

  2. dass du es so positiv siehst freut mich
    und wenn du nicht nur darin sitzen musst ist das auch schon viel wert
    ich habe eine Bekannte (schon über 80 )
    der sterben durch eine Nervenkrankheit langsam die Beine ab
    sie quält sich mit dem Rollator (sie mag aber auch keine Hilfe haben )
    und ist froh über ihr Elektromobil mit dem sie von Weiler anch Bingen fährt (und zurück den Berg hinauf 😉 )
    Rollstuhl kommt für sie gar nicht in Frage
    denn dann müsste sie sich helfen lassen
    sie versorgt alleine noch ihr Haus
    ich bring ihr dann schon mal etwas mit oder mache Dinge die sie dann wirklich nicht mehr kann ..
    wenn man Familie hat ist doch vieles auch etwas leichter

    alles Liebe für dich und die Deinen
    Rosi

    1. Es ist in der Tat viel wert, nicht im Rollstuhl leben zu müssen. Ich beneide die Leute nicht, denen nichts anderes übrig bleibt. Auch ist Rollstuhl fahren nicht unbedingt einfach. Das muss man lernen, damit man auch ohne fremde Hilfe zurecht kommt; aber das lernt wohl kaum noch jemand im hohen Alter. Ich bin jedenfalls darauf bedacht, eine gute Balance zu finden. Was ohne Quälerei zu Fuß geht, wird auch so erledigt, ansonsten nehme ich außer Haus meinen leichten Aktivrollstuhl, mit dem ich dann auch ohne Hilfe durch eine andere Person unterwegs bin.

      Du hast recht, mit Familie geht alles besser.

      LG, Georg

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